Rezensionen

Das sind Rezensionen

Erfolgreich promovieren

Erfolgreich promovieren: Ein Ratgeber von Promovierten für Promovierende Hrsg. Stock, Steffen; Schneider, Patricia; Peper, Elisabeth; Molitor, Eva: 2.Auflage, Springer, 2006 ISBN 3-540-88766-0

 

Egal ob die Entscheidung Doktorat ja oder nein noch ansteht, oder ob man schon mitten im Schreiben der Doktorarbeit ist – mit Informationsvorsprung geht vieles leichter. Beschreibung auf doktorat.at/Rezensionen…

Auch wenn sich im konkreten kurzfristigen Anlassfall vieles im Internet findet, vor allem auch auf http://www.doktorat.at: Eine kompakte umfassende Darstellung in Buchform hat eindeutig ihre Vorteile.

Aus dieser Motivation heraus entstand „Erfolgreich promovieren“. Zunächst in Deutschland, doch seit der Neuauflage finden sich in Kapiteln wie Hochschulpolitische Rahmenbedingungen, Informationen über Stipendien, Formale Voraussetzungen, Steuerfragen, Krankenversicherung, etc. auch wertvolle auf Österreich zugeschnittene Informationen.

Die Themenvielfalt des allgemeinen Teils reicht von Zeitmanagement, Literaturverwaltung, Exposé bis Druck und Veröffentlichung sowie Karriereperspektiven nach der Promotion. Auch zur Bewältigung möglicher Stolpersteine und Tiefs auf dem Weg zum Doktortitel wird und auch Themen wie Stress und Mobbing werden angeschnitten. Abgerundet wird das Buch durch Erfahrungsberichte aus verschiedensten Disziplinen. Alles im allem ein Wissensschatz, der durch die gesamte Doktoratsphase (und vielleicht sogar darüber hinaus) begleitet.

Im Vergleich zu vielen anderen Werken ist hervorzuheben, dass „Erfolgreich promovieren“ von Personen geschrieben wurde, die selbst nicht allzu langer Zeit ihr Doktorat abgeschlossen haben und damit aus erster Hand berichten können. Entstanden ist der Promotionsratgeber als Projekt des deutschen Netzwerks Thesis; seit der Neuauflage (Erscheinungsdatum 2009) beteiligen sich auch AutorInnen von doktorat.at und Actionuni an diesem Projekt, und machen es damit zum einzigen DoktorandInnenratgeber, der auch auf die Situation in der Schweiz und Österreich eingeht.

Zu Erwerben ist der Ratgeber im Buchhandel oder unter http://doktorat.at/ratgeberbestellen Wichtig: Bitte darauf achten, die zweite Auflage zu bestellen. Die erste Auflage enthält nämlich nur Informationen über Deutschland.

Von Bologna nach Boston

Von Bologna nach Boston?: Perspektiven und Reformansätze in der Doktorandenausbildung anhand eines Vergleichs zwischen Deutschland und den USA. Bosbach, Eva, Leipzig: Akademische Verlagsanstalt, 2009

Das Buch bietet einen guten Überblick zur Doktorandenausbildung in Deutschland und den USA. In eigenen Kapiteln wird jedem System ausreichend Platz zur Verfügung gestellt, um mit vielen informativen Fakten und Beschreibungen der Leserin und dem Leser ein Gefühl für dezidierte Stärken und Schwächen der Systeme zu geben.

Die Autorin schafft durch den detaillierten Vergleich interessante Brücken zu Reformvorschlägen für beide Systeme. Das Buch bietet sich als hervorragende Ausgangsliteratur für eine Beschäftigung mit dem deutschen oder amerikanischen System an, da die Autorin umfangreich zitiert und Verweise zu entscheidenden Quellen gibt. Aber auch für DoktorandInnen außerhalb von Vergleichsstudien ist das Buch ein interessanter Einstieg in das eigene Doktoratsstudium, da es die vielen Facetten einer guten Betreuung aufzeigt und einen statistischen Überblick zu Studiendauer, Abbrecherquoten und allgemeinen Schwierigkeiten von Promovierenden in beiden Systemen gibt.

Forschung, Geld und Politik

Rupert Pichler, Michael Stampfer und Reinhold Hofer: Forschung, Geld und Politik: Die staatliche Forschungsförderung in Österreich 1945-2005

 

Forschungsförderung im Fange ideologischer Auseinandersetzungen und parteipolitischer Einflussnahme, im Spannungsfeld zwischen Autonomie der Fonds und Politikgestaltung – Rupert Pichler, Michael Stampfer und Reinhold Hofer zeichnen in ihrem Werk „Forschung, Geld und Politik“ ein lebhaftes Bild der österreichischen Forschungspolitik von 1945 bis 2004.

Effektive 350 Seiten werden nicht durch bunte Diagramme gefüllt, sondern vor allem durch eine profunde Auseinandersetzung mit der geschichtlich-politischen Entwicklung der Forschungsförderung in Österreich.

Geschildert wird die „vergebene Chance“, gleich nach dem zweiten Weltkrieg einen Forschungsrat gesetzlich einzurichten: Eine ursprünglich von aus dem Exil rückkehrenden ForscherInnen angeregte Initiative scheitert an der Auseinandersetzungen zweier ÖVP-geführter Ministerien sowie an unterschiedlichen Auffassungen zwischen SPÖ und ÖVP.  Dem Versuch, in der Folge mit einem privatrechtlichen Forschungsrat vollendete Tatsachen zu schaffen, wurde mit der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft als Gegengründung von Seiten der linken Reichshälfte begegnet. Die SPÖ hat immer (auch) die Förderung von (außeruniversitären) Instituten favorisiert, während das Konzept der ÖVP reine Projektförderung vorsah. Erst durch die ÖVP-Alleinregierung 1966 konnte eine gesetzliche Regelung erreicht werden, die letztlich aber von ÖVP und SPÖ gemeinsam beschlossen wurde.

Pichler, Stampfer und Hofer berichten auch über die Ressortforschung der Ministerien, die zwischenzeitlich Dimensionen eines „dritten Fonds“ neben FFF und FWF angenommen hatten. Deutlich kommt die realpolitische Bedeutung der Internationalisierung heraus – von den Berichten der OECD bis zum Betritt Österreichs zur Europäischen Union.
Für das Buch quasi den Endpunkt bildet die gesetzliche Neuregelung mit der Schaffung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Jahre 2004. Bewusst kurz gehalten oder ausgeklammert werden jüngste Entwicklungen.

Im Anhang befindet sich eine tabellarische Aufstellung der Mittelallokation für verschiedene Forschungsfonds und -institutionen – nicht allerdings weitergehende statistische Angaben wie beispielsweise die Anzahl der geförderten Personen.
Strukturelle forschungspolitische Gestaltungsinstrumente – etwa die gesetzliche Grundlage der Universitäten – liegen denn auch außerhalb des Fokus des Buches, ebenso wie die Bedeutung politischer Ziele in der Forschungsförderung (etwa Frauenförderung, Mobilität, soziale Absicherung).

Keine Hinweise findet man auf Debatten über den Kreis der Antragsberechtigten (ProfessorenInnen? Habilitierte? NachwuchsforscherInnen?) in der Personen- und Projektförderung oder Themen wie die Förderung der frühen wissenschaftlichen Selbständigkeit und Doktoratskollegs. (Letzteren Themen wurde allerdings auch erst in der jüngsten Zeit besondere öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt.)

Auffallend ist auch, dass die Akademie der Wissenschaften zwar immer wieder als forschungspolitische Akteurin etwa im Zusammenhang mit den Versuchen, einen Forschungsrat einzurichten erscheint, die eigenen Förderungsaktivitäten der Akademie (DOC- und APART-Stipendien, aber auch die Einrichtung von Instituten) nicht näher unter die Lupe genommen werden.

„Forschung, Geld und Politik“ kann zusammenfassend – mit kleinen Einschränkungen – als umfassendes und sehr gut recherchiertes willkommenes Referenzwerk für die Entwicklung der Forschungsförderung in Österreich gelten – nicht aber für die Entwicklung der gesamten Forschungspolitik.

Promovieren mit Perspektive

BuchcoverGEWRatgeber
GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive. Ein Ratgeber von und für DoktorandInnen. Hrsg. v. Koepernik, Claudia; Moes, Johannes und Tiefel, Sandra. Bielefeld: wbv 2006. (=GEW Materialien aus Hochschule und Forschung, Band 111) ISBN 3-7639-3289-5, 456 Seiten, 24.90 Euro.

“Um die Promotionsphase zu verbessern, bedarf es nicht eines Buches, sondern besserer sozialer und materieller Rahmenbedingungen.” Den HerausgeberInnen sei Dank, dass sie es im Rahmen der Projektgruppe DoktorandInnen innerhalb der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft dennoch kreativ entworfen, detailliert geplant und mit Sorgfalt zusammengestellt haben. Ein Ratgeber, der keiner sein will, weil nicht die Möglichkeitsbedingungen individueller Befindlichkeit und Selbstdisziplinierungen ins Zentrum rückt, sondern die der konkreten Verhältnisse, in denen wissenschaftliches Arbeiten heute stattfindet.

Dabei bleibt das Buch eine ab sofort unentbehrliche Hilfe in ganz konkreten und vermeintlich individuellen Fragen und Problemen. Ein Handbuch, das in sinnvoll strukturierten, prägnant und leicht lesbaren Abschnitten beinahe alle Aspekte des Promovierens thematisiert: Von der Promotionsplanung über Finanzierung und rechtliche Rahmenbedingungen hin zur Prozesshaftigkeit dieser Phase, die im besten Falle mit Publikation und Profession abgeschlossen wird. 36 AutorInnen geben in 48 Beiträgen nicht nur wertvolles Erfahrungswissen, sondern auch nützliche weiterführende Informationsquellen weiter, die man dort mitunter gar nicht vermuten würde.

Sie selbst werden das langfristige Ziel ihrer Arbeit wohl nicht mehr als Promovierende (die die meisten selbst sind) erleben, nämlich eine grundlegende Veränderung der Promotionsphase in Richtung professionalisiert organisierter Arbeit inklusive aller damit einher gehenden Rechte und Sicherheiten, die heute weitgehend fehlen. Dass und wie es in diese Richtung gehen kann, zeigt das Handbuch deutlich auf, und allein schon deshalb sind ihm viele LeserInnen zu wünschen, die die Lebensphase Promotion als das begreifen, was sie zumeist ist: Ein ganzheitliches Projekt mit umfassenden Anforderungen und oft unklaren Konturen. An diesen Grenzen des Wissens, nämlich um das “Phänomen Promotion” selbst, ermächtigt das Buch zur gesellschaftspolitisch relevanten Bündelung von allzu oft vereinzelten Erfahrungen und Erkenntnissen. Und bietet dabei mehr individuelle Hilfestellung als so manche wohlmeinende RatgeberInnenliteratur, die bisher zu lesen war.

Weitere Links zum Buch:
Flyer zum Buch auf der Seite der GEW (pdf)