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Herumgedoktert - Doktorat an der WIN |
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Geschrieben von ÖH Doktorat
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Sonntag, 5. Jänner 2003 |
Unter dem Titel "Herumgedoktert - Doktorat an der WIN" wurde in AnSatz, der Zeitschrift der Fakultätsvertretung WIN Uni Wien ein Artikel über das Doktorat und den Vergleich mit den USA veröffentlicht -
" Das Doktorat der USA führt auf ein ähnliches Level wie unseres ."
Genauso wie viele unserer Diplomstudienpläne wurde ebenfalls unser Doktoratsprogramm ausführlich unter die Lupe genommen,. revidiert und vor einiger Zeit vollkommen neu erlassen. Dabei hat sich leider spürbar der Amerikanismus durchgesetzt. In, den USA ist der. Doktor, der Ph.D., ein mehrjähriges Programm, das aus wesentlich mehr Stunden besteht als unser Doktorat. Deshalb war scheinbar völlig klar, dass unser Studium bei dieser Gelegenheit an dieses Stundenmaß angenähert werden muss.
Vergleich mit den USA
Wenig hinterfragt wurde hingegen, warum der Ph.D. mehr Stunden hat: Amerikanische SchülerInnen werden während ihrer High-School-Zeit nicht unbedingt zur selbständigen Arbeit erzogen.
Jedes Fach kommt täglich einstündig im Stundenplan vor, ohne dass an
einer Public High School mehr Stoff durchgebracht wird als
vergleichsweise in Österreich, eher weniger. Schule ist verspielter,
lustiger und einfacher. Hausaufgaben .gibt es nur in den klassischen
Fächern wie Mutter- und Fremdsprache sowie Mathematik. Das Schulsystem
sieht keine Matura und auch keine Fachbereichsarbeit vor und fördert
auch sonst kaum die Selbständigkeit der SchülerInnen.
Mit dem Abschuss dei High School wird es erst interessant für viele AmerikanerInnen. Kann man sich nun einen g-qten Bachelor leisten oder muss man auf die leistbare Alternative eines Community Cdlleges zurückgreifen (das die SchülerInnen mit einem Bachelor gerade mal auf unser Maturaniveau bringt). Für alle gilt: Die Universitäten in Amerika sind verschulter durch ein gut durchorganisiertes Kurswesen, in dem die Studierenden großteils nur das lernen müssen, was man ihnen vor die Nase legt. Ich kenne keine amerikanischen Studierenden, die verzweifelt vor PISWI-Ausdrucken sitzen und überlegen, wie sich das Geplante irgendwie ausgehen könnte. Eine solche Ausbildung entspricht damit eher jener einer Fachhochschule.
Das Doktorat der USA führt auf ein ähnliches Level wie unseres, nur ist der Weg dahin vom Magister länger - verglichen mit einer durchschnittlichen amerikanischen Universität. Nun dürfte die Studienkommission sich ein sehr hohes Ziel gesetzt haben: "Vergleichen wir :uns mit einer Eliteuniversität. Wir wollen, dass unser Doktor international respektiert wird." Ein hoch gesetztes Ziel, das an einigen Faktoren scheiterte.
Das neue Studium
Zuerst gab man dem Studium die Rahmenbedingungen: Aus den zuvor obligatorischen 2 Semester wurden 4 mit 30 verpflichtenden Wochenstunden (diese sind mit dem/der Betreuerln zu vereinbaren und dem Forschungsgebiet anzupassen) und das Dissertieren (DoktorIn studieren) neben einem Fulltime-Job im Studienplanentwurf verpönt. In diesem wurde aufgenommen, dass alle Stunden untertags stattfinden sollten, damit keine Mutter Schwierigkeiten mit dem Kindergarten bekommen könnte. Klingt sehr löblich, bringt aber große Probleme für die meisten DissertantInnen mit sich. Die Studierendenkurie hat sich damals dafür eingesetzt, dass dieser Passus gestrichen wird und besser Rücksicht auf alle Studierenden bei der Festlegung der LVA Zeiten genommen werden sollte.
Letztlich hat sich der 2002 beschlossene Studienplan _ durch die Stundenanzahl, das wohl schmerzlichste Merkmal für alle Studierenden, selbst disqualifiziert. Neue Studienpläne werden vom Ministerium nur genehmigt, wenn sie gegenüber des alten kostenneutral, sprich, nicht teurer im Betrieb, sind. Nun ist es mir unklar, wie das Ministerium überzeugt werden I konnte, dass die Uni diese 30 Stunden ohne zusätzliche Kosten anbieten kann. Sie haben es auf jeden Fall geschafft und sich damit in die finanzielle Sackgasse geführt. Im ersten Jahr standen Studierende bestimmter Studienrichtungen vor einem kurzen Lehrveranstaltungsverzeichnis. Es gab einfach nicht genug Lehrveranstaltungen. Einzelne Studienrichtungen entwickelten Programme in einzelne Forschungsrichtungen wie Prof. Dockner für die Finanzwirtschaft (http//info.tuwien.ac.at/ccefin/). DissertantInnen anderer Forschungsrichtungen konnten ihren Stundenplan mit Lehrveranstaltungen aus dem Magisterium auffüllen. Die Studienkommission erledigte die Anrechnungen recht nicht transparent und stellte nach außen Anforderungen wie etwa dass LehrveranstaltungsleiterInnen höhere Anforderungen an die DissertantInnen in ihren Lehrveranstaltungen haben sollten als an die Magister Studierenden. Durch eine solche Vorgehens
Der Blick ins Ungewisse: Doktorat an der WlN
weise war eine adäquate Vertiefung in ein Forschungsgebiet zu dem es kein Programm gab (und das entsprach unter anderem der gesamten Wirtschaftsinformatik und Informatik) nicht wirklich möglich - nur eine breitere Fächerung der Themen. Das Gefühl wurde vermittelt, dass der neue Studienplan Quantität aber keine Qualität durch die finanziellen Restriktionen brachte. Fazit, die Uni Wien hat nicht so viel Geld zur Verfügung, wie eine amerikanische Eliteuniversität - im Gegenteil, sie hat so wenig Geld, dass es auch ohne diesen Ambitionen überall krankt!
Keine StRV Doktorat gewählt
Traurige Realität ist, dass sich auch für diese Amtsperiode keine DissertantInnen gefunden haben, die ihre Studienrichtung vertreten wollen. Damit werden sie weiter durch die Fakultätsvertretung vertreten, die derzeit ebenfalls keine MitarbeiterInnen hat, die das Doktorat studieren - Doktoratsstudierende werden von uns daher mit offenen Armen empfangen, wenn sie bei uns mitarbeiten wollen! .
Die DissertantInnen der Wirtschaftsinformatik und Informatik werden mit diesem Semester als letzte mit einem ausreichenden Lehrveranstaltungsangebot versorgt, die das Doktorat zumindest studierbar machen. Das Angebot bleibt weiterhin dünn, denn eine Vertiefung in ein bestimmtes Gebiet bleibt den Studierenden weiter verwehrt. Dafür wäre auch ganz sicher kein Geld da, fehlt es doch an der Fakultät schon an Geld; genügend Parallellehrveranstaltungen anzubieten, um die Nachfrage abzudecken! Ein Doktoratsstudium sollte schon vertiefender sein als die LV A-Bezeichnung "vertiefender Kurs" allein.
Interessierte an dem neuen, oben genannten. Programm können auf http://winf.at/files/DoktotatsprogrammINfWinf.pdf Prof. Schikutas Programm nachlesen. Ein Großteil der Stunden werden mit jeweils 4 Stunden aus "Ausgewählten Kapitel" zu diversen Kernfachkombinationen des Winf-Studiums abgedeckt.
Für Studierende eines interuniversitären Studiums mit der TU Wien steht weiters noch die Möglichkeit offen, den Dr. techn. anzustreben. Dieses besteht weiterhin aus 12 Stunden. WirtschaftsinformatikerInnen haben da jedoch das Handicap, die Differenz auf einen Dipl.Ing. zuerst nachzuholen - 20 Stunden für Studierende des neuen Studienplan bzw. 40 Stunden für alte. Den Studierenden der Informatik unserer Fakultät dürfte die Entscheidung damit nicht schwer fallen, aber auch die Wirtschaftsinformatik lässt diese Option trotz der höheren Aufwands selten aus den Augen.(Anm. von Doktorat.at: die Regelungen haben sich inzwischen geändert. Nähere Informationen bei der Studienvertretung Doktorat TU Wien) |
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