Wissenschaftliches Fehlverhalten im Fokus

Die Kommission für wissenschaftliche Integrität hat kürzlich ihren Jahresbericht 2011 veröffentlicht. Die Kommission ist Teil der Agentur für wissenschaftliche Integrität, die sich mit Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens in Österreich befasst. Sie hat seit ihrer Gründung 2009 15 Fälle behandelt, die sich über alle Disziplinen verteilen (Lebenswiss. 3, Medizin 2, Rechtswiss. 2, Sozialwiss. 4, Geisteswiss. 2, Naturwiss./Technik 2). Sechs Fälle befassten sich mit  Plagiatsvorwürfen, fünf mit der Ausbeutung fremder Forschungsansätze, zwei mit Datenfälschungen und zwei mit einem Autorschaftskonflikt. Exemplarisch seien hier einige Fälle herausgegriffen, die auch DoktorandInnen/NachwuchswissenschafterInnen betreffen.

Plagiat

Ein habilitierter Mitarbeiter einer Universität übernahm gemäß den Untersuchungen der Kommission mindestens ein Drittel seiner Habilitationsschrift aus der Dissertation eines Kollegen, ohne es zu kennzeichnen. Die Kommission hat eine Verletzung der Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis festgestellt und der betreffenden Uni mitgeteilt. Bedauerlicherweise blieb dies offenbar ohne weitere Konsequenzen.

In einem anderen Plagiatsfall kam die Kommission zum Schluss, dass große Teile ohne entsprechende Zitate abgeschrieben wurden. Die Universität leitete daraufhin ein Verfahren ein.

Ausbeutung fremder Forschungsansätze

Ein Mitarbeiter war als Post-Doc an eine österreichische Uni gekommen, wo er eine eigene, neue Projektidee umsetzen wollte. Nach drei Jahren als freier Mitarbeiter wurde sein Vertrag jedoch nicht verlängert und das Projekt von seinem Vorgesetzen und dessen Arbeitsgruppe übernommen. Da weder Publikationen entstanden, noch Drittmittel eingeworben wurden, konnte die Kommission keinen Verstoß gegen Regeln feststellen (keine Autorschaft). Bemerkenswert ist, dass im Bericht der Mangel an akademischer Betreuung durch den Vorgesetzten und die Unklarheit über weitere Perspektiven des Mitarbeiters ausdrücklich gerügt werden.

In einem weiteren Fall gab ein Professor Forschungsideen und Projektanträge seiner  Mitarbeiter als eigene Leistungen aus, ohne die ursprünglichen Verfasser zu nennen. Auch auf einer späteren Publikation wurde der Name einer beteiligten Dissertantin einfach “vergessen”. Die Kommission stellte fest, dass “der Professor durch dieses Verhalten seine Pflicht zur Aufsicht und Anleitung gegenüber dem von ihm zu betreuenden und insofern auch abhängigen wissenschaftlichen Nachwuchs vernachlässigt hat.” Weiters handelt es sich bei der Nichtnennung der Dissertantin auf der Publikation um wissenschaftliches Fehlverhalten. Weitere Konsequenzen für den Professor sind nicht bekannt.

Die hier gebrachten Fälle aus dem Jahresbericht der Kommission für wissenschaftliche Integrität zeigen eindringlich, dass in der Betreuung des wissenschaftlichen Nachwuchses einiges im Argen liegt und ausreichend weitere Arbeit für die Kommission vorhanden ist. Die Reaktionen der betroffenen Universitäten verdeutlichen leider oft, dass die Bewusstseinsbildung bezüglich guter wissenschaftlicher Praxis noch einen weiten Weg zurückzulegen hat.

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