Forschung, Geld und Politik

Rupert Pichler, Michael Stampfer und Reinhold Hofer: Forschung, Geld und Politik: Die staatliche Forschungsförderung in Österreich 1945-2005

 

Forschungsförderung im Fange ideologischer Auseinandersetzungen und parteipolitischer Einflussnahme, im Spannungsfeld zwischen Autonomie der Fonds und Politikgestaltung – Rupert Pichler, Michael Stampfer und Reinhold Hofer zeichnen in ihrem Werk „Forschung, Geld und Politik“ ein lebhaftes Bild der österreichischen Forschungspolitik von 1945 bis 2004.

Effektive 350 Seiten werden nicht durch bunte Diagramme gefüllt, sondern vor allem durch eine profunde Auseinandersetzung mit der geschichtlich-politischen Entwicklung der Forschungsförderung in Österreich.

Geschildert wird die „vergebene Chance“, gleich nach dem zweiten Weltkrieg einen Forschungsrat gesetzlich einzurichten: Eine ursprünglich von aus dem Exil rückkehrenden ForscherInnen angeregte Initiative scheitert an der Auseinandersetzungen zweier ÖVP-geführter Ministerien sowie an unterschiedlichen Auffassungen zwischen SPÖ und ÖVP.  Dem Versuch, in der Folge mit einem privatrechtlichen Forschungsrat vollendete Tatsachen zu schaffen, wurde mit der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft als Gegengründung von Seiten der linken Reichshälfte begegnet. Die SPÖ hat immer (auch) die Förderung von (außeruniversitären) Instituten favorisiert, während das Konzept der ÖVP reine Projektförderung vorsah. Erst durch die ÖVP-Alleinregierung 1966 konnte eine gesetzliche Regelung erreicht werden, die letztlich aber von ÖVP und SPÖ gemeinsam beschlossen wurde.

Pichler, Stampfer und Hofer berichten auch über die Ressortforschung der Ministerien, die zwischenzeitlich Dimensionen eines „dritten Fonds“ neben FFF und FWF angenommen hatten. Deutlich kommt die realpolitische Bedeutung der Internationalisierung heraus – von den Berichten der OECD bis zum Betritt Österreichs zur Europäischen Union.
Für das Buch quasi den Endpunkt bildet die gesetzliche Neuregelung mit der Schaffung der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Jahre 2004. Bewusst kurz gehalten oder ausgeklammert werden jüngste Entwicklungen.

Im Anhang befindet sich eine tabellarische Aufstellung der Mittelallokation für verschiedene Forschungsfonds und -institutionen – nicht allerdings weitergehende statistische Angaben wie beispielsweise die Anzahl der geförderten Personen.
Strukturelle forschungspolitische Gestaltungsinstrumente – etwa die gesetzliche Grundlage der Universitäten – liegen denn auch außerhalb des Fokus des Buches, ebenso wie die Bedeutung politischer Ziele in der Forschungsförderung (etwa Frauenförderung, Mobilität, soziale Absicherung).

Keine Hinweise findet man auf Debatten über den Kreis der Antragsberechtigten (ProfessorenInnen? Habilitierte? NachwuchsforscherInnen?) in der Personen- und Projektförderung oder Themen wie die Förderung der frühen wissenschaftlichen Selbständigkeit und Doktoratskollegs. (Letzteren Themen wurde allerdings auch erst in der jüngsten Zeit besondere öffentliche Aufmerksamkeit geschenkt.)

Auffallend ist auch, dass die Akademie der Wissenschaften zwar immer wieder als forschungspolitische Akteurin etwa im Zusammenhang mit den Versuchen, einen Forschungsrat einzurichten erscheint, die eigenen Förderungsaktivitäten der Akademie (DOC- und APART-Stipendien, aber auch die Einrichtung von Instituten) nicht näher unter die Lupe genommen werden.

„Forschung, Geld und Politik“ kann zusammenfassend – mit kleinen Einschränkungen – als umfassendes und sehr gut recherchiertes willkommenes Referenzwerk für die Entwicklung der Forschungsförderung in Österreich gelten – nicht aber für die Entwicklung der gesamten Forschungspolitik.

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